In diesen Tagen sorgt der erneute Versuch der Koalition, eine Positivliste für Medikamente zu erproben, für heftige Diskussionen. In den Versuch sollen zunächst einige Modellregionen eingebunden werden. Dabei sieht die Koalition vor, dass Ärzte und Mediziner eine Liste von Medikamenten zusammenstellen, die bei bestimmten Erkrankungen verordnet werden müssen.

Sofern ein Patient zum Arzt kommt, der eben diese Erkrankung aufweist, gilt es, ihn mit den Medikamenten der Positivliste zu behandeln. Ziel sei es, so die Koalition, die Verträglichkeit von Medikamenten für den Einzelnen zu erhöhen, die Kosten für Arzneimittel zu senken, sowie die Verlässlichkeit der Einnahme der Medikamente durch die Patienten zu erhöhen.

Kritiker befürchten Medizin nach Katalog

Kritik regt sich gegen das Vorhaben sowohl bei den Krankenkassen, als auch bei den Pharmakonzernen. Die Kassen würden diesen Modellversuch aufgezwungen bekommen, obwohl bereits andere Möglichkeiten zur Absenkung der Kosten für Medikamente vorliegen würden. Die Pharmakonzerne befürchten die Bevorzugung einzelner Hersteller einerseits, auch wenn das nicht offen zugegeben wird.

Andererseits sehen sie die Gefahr darin, dass Ärzte in ihrer therapeutischen Freiheit eingeschränkt würden, da sie nur noch eine Behandlung nach Katalog durchführen könnten. Eine individuelle Begutachtung der Situation des Patienten sei damit nicht mehr möglich.

Sparpotenzial erhofft

Die Koalition dagegen erhofft sich aus dem Modellversuch ein hohes Einsparpotenzial. Obwohl bereits in den 1990er Jahren mehrere Anläufe unternommen wurden, eine solche Positivliste für Medikamente zu erstellen, sind diese immer wieder gescheitert. Dieses Mal soll es anders werden, denn im Modellversuch sollen auch die teilnehmenden Ärzte, sowie die Apotheker von der Positivliste profitieren.

Sollte es nämlich im Modellversuch zu Kosteneinsparungen für die Krankenkassen kommen, so sollen die Ärzte und Apotheker an diesen Einsparungen beteiligt werden, also einen zusätzlichen Verdienst erhalten. Fraglich bleibt allerdings, ob das nicht letzten Endes doch zu Lasten der Patienten geht. Hier werden auch weiterhin hitzige Diskussionen entbrennen.

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